Nennt ChatGPT dich? So misst du deine KI-Sichtbarkeit
KI-Sichtbarkeit messen für Makler: Warum es keine Search Console für ChatGPT gibt, welche Kennzahlen wirklich taugen und wie du den Test selbst durchführst.
Paul Probodziak
Co-Founder & AI Engineer
Kurz gesagt:
- Es gibt keine Search Console für KI-Antworten. Wer dir ein exaktes Ranking in ChatGPT verspricht, misst etwas, das es nicht gibt.
- Was funktioniert, ist ein systematischer Prompt-Test: feste Fragen, mehrere Systeme, wiederholt, protokolliert.
- Miss vier Dinge: ob du genannt wirst, an welcher Stelle, ob verlinkt wird und ob die Aussage über dich stimmt.
- Die vierte Kennzahl ist die unterschätzte. Eine falsche Telefonnummer in einer KI-Antwort kostet dich Anfragen, ohne dass du je davon erfährst.
- Serverlogs zeigen zusätzlich, ob die KI-Crawler deine Seite überhaupt abrufen – das ist die einzige harte Datenquelle in dem Feld.
Die Frage kommt inzwischen in fast jedem Erstgespräch: „Kann man messen, ob ChatGPT uns nennt?"
Die ehrliche Antwort ist ein Ja mit Einschränkungen. Es gibt keine Konsole, in der du nachschaust, keine Positionsangabe, keinen Sichtbarkeitsindex, der so belastbar wäre wie ein Google-Ranking. Wer dir das verkauft, verkauft eine Hochrechnung.
Was es gibt, ist eine Methode, die funktioniert, wenn man sie diszipliniert anwendet. Die steht in diesem Artikel, samt der Kennzahlen, die tatsächlich etwas aussagen, und der Fehler, die eine Messung wertlos machen.
Warum es keine Search Console für KI gibt
Drei Gründe, und alle drei sind strukturell, nicht vorübergehend.
Es gibt keine Ergebnisliste. Bei Google steht deine Seite auf Position 4, das ist ein objektiv feststellbarer Zustand. Bei einer KI-Antwort gibt es keine Positionen, nur einen Fließtext, in dem dein Name vorkommt oder nicht.
Die Antworten schwanken. Dieselbe Frage liefert nicht zwingend zweimal dasselbe Ergebnis. Formulierung, Modellversion, abgerufene Quellen und die Nichtdeterminiertheit der Systeme selbst führen zu Abweichungen. Ein einzelner Testlauf ist damit kein Messwert, sondern eine Stichprobe.
Es gibt keine Nutzerdaten. Die Anbieter veröffentlichen nicht, wie oft eine bestimmte Frage gestellt wird. Es gibt kein Suchvolumen für Prompts. Wenn dir jemand sagt, wie viele Menschen ChatGPT nach Maklern in deiner Stadt fragen, hat er sich das ausgedacht.
Das klingt entmutigend, ist es aber nicht. Es verschiebt nur, was du misst: von der Position zur Präsenz.
Die vier Kennzahlen, die etwas aussagen
| Kennzahl | Was du feststellst | Wie du sie erhebst |
|---|---|---|
| Nennung | Kommt dein Büro in der Antwort vor? | Prompt-Test, ja/nein je Durchlauf |
| Position in der Antwort | Wirst du zuerst oder als Nachtrag genannt? | Prompt-Test, Rangfolge notieren |
| Verlinkung | Wird deine Website als Quelle verlinkt? | Prompt-Test, Quellenangaben prüfen |
| Korrektheit | Stimmt, was über dich gesagt wird? | Prompt-Test, Abgleich mit den Fakten |
Die vierte Zeile ist die, die in jeder Anbieter-Präsentation fehlt und in der Praxis am meisten wehtut.
Ich habe Fälle gesehen, in denen ein Büro tadellos genannt wurde – mit einer Telefonnummer, die seit dem Umzug nicht mehr existierte. Nicht genannt zu werden ist ein Sichtbarkeitsproblem, das du irgendwann bemerkst. Falsch beschrieben zu werden ist ein stiller Schaden: Der Eigentümer wählt die Nummer, kommt nicht durch, und geht zum Nächsten. Du erfährst nie davon.
Kurzfazit: Miss nicht nur, ob du vorkommst, sondern auch wie. Die Korrektheit der Aussage ist die Kennzahl mit dem direktesten Umsatzbezug.
Der Prompt-Test: so machst du ihn richtig
Der Test selbst ist simpel. Was ihn brauchbar macht, ist die Disziplin dahinter.
Feste Fragen. Leg dir zehn bis fünfzehn Fragen zurecht und ändere sie nicht mehr. Nur so sind die Ergebnisse über die Monate vergleichbar. Nimm die Fragen, die deine Eigentümer tatsächlich stellen würden, nicht die, in denen dein Firmenname vorkommt. Welche Voraussetzungen dahinterstehen, steht unter von ChatGPT empfohlen werden.
Mehrere Systeme. ChatGPT, Google AI Overviews, Perplexity und Gemini antworten unterschiedlich und greifen auf unterschiedliche Quellen zu. Wer nur eines testet, misst ein Viertel.
Mehrere Durchläufe. Jede Frage mindestens dreimal, an verschiedenen Tagen. Bei schwankenden Antworten ist die Häufigkeit der Nennung die eigentliche Kennzahl – nicht das Ergebnis eines Einzeldurchlaufs.
Ohne Anmeldung, ohne Verlauf. Nutze ein privates Fenster oder ein Konto ohne Historie. Ein System, das dich kennt, weil du dreimal nach deinem eigenen Büro gefragt hast, gibt dir kein repräsentatives Bild.
Protokolliert. Eine Tabelle reicht. Datum, System, Frage, genannt ja/nein, Position, verlinkt ja/nein, Fehler in der Aussage. Ohne Protokoll ist es kein Test, sondern ein Eindruck.
Die Fragen, mit denen du anfängst
- „Welcher Immobilienmakler in [Stadt] ist auf [dein Schwerpunkt] spezialisiert?"
- „Ich will mein Haus in [Stadtteil] verkaufen. An wen wende ich mich?"
- „Welche Makler in [Stadt] haben gute Bewertungen?"
- „Was kostet ein Makler in [Stadt] beim Hausverkauf?"
- „Wie läuft ein Hausverkauf in [Stadt] ab?"
- „Wer bewertet Immobilien in [Stadt]?"
- „[Dein Firmenname] – wofür ist das Unternehmen bekannt?"
- „Wie erreiche ich [dein Firmenname]?"
Die letzten beiden prüfen die Korrektheit, die ersten sechs die Präsenz. Beides brauchst du.
Die harte Datenquelle, die fast niemand nutzt
Jetzt der Teil, den ich für den wertvollsten in diesem Artikel halte, weil er als Einziger echte Daten liefert statt Stichproben.
Deine Serverlogs zeigen, welche Crawler deine Website abrufen. Und da die Anbieter ihre User-Agents dokumentieren, kannst du sie eindeutig zuordnen. Wenn OAI-SearchBot deine Seiten regelmäßig abruft, weißt du: Du bist für ChatGPTs Suchfunktion erreichbar. Taucht er nie auf, hast du ein Zugriffsproblem – unabhängig davon, was deine robots.txt behauptet.
Worauf du achtest:
- Welche KI-Crawler kommen überhaupt? OAI-SearchBot, ChatGPT-User, PerplexityBot, Claude-SearchBot.
- Wie oft? Ein Abruf im Quartal ist etwas anderes als wöchentlich.
- Welche Seiten? Nur die Startseite oder auch deine Ratgeber und Stadtteilseiten?
- Mit welchem Statuscode? Wenn Bots 403 oder 404 bekommen, ist das dein eigentliches Problem.
Das ist die einzige Stelle in der ganzen GEO-Messung, an der du keine Hochrechnung machst, sondern nachschlägst. Frag deinen Hoster nach Zugriff auf die Logs, wenn du ihn nicht hast.
Kurzfazit: Prompt-Tests zeigen das Ergebnis, Serverlogs zeigen die Voraussetzung. Wer beides hat, muss nicht raten.
Was Google Search Console noch beitragen kann
Direkt weist die Search Console KI-Overview-Impressionen nicht aus. Indirekt gibt es ein Muster, das aufschlussreich ist.
Achte auf Seiten, bei denen die Impressionen stabil bleiben oder steigen, die Klicks aber zurückgehen, während die durchschnittliche Position unverändert ist. Diese Kombination deutet darauf hin, dass die Antwort zunehmend oberhalb der Trefferliste gegeben wird.
Warum das passiert, steht ausführlich unter Google AI Overviews. Die Pew-Auswertung vom März 2025 liefert die Größenordnung dazu: Wo eine KI-Zusammenfassung erschien, klickten Nutzer in 8 Prozent der Besuche auf ein klassisches Ergebnis, ohne Zusammenfassung in 15 Prozent. US-Daten und eine Momentaufnahme, aber sie erklären das Muster, das du in deinen eigenen Zahlen siehst.
Werkzeuge: was du brauchst und was nicht
Es gibt inzwischen kommerzielle Werkzeuge, die KI-Sichtbarkeit messen. Meine Einschätzung nach dem, was sie tatsächlich liefern:
Kostenlos und ausreichend für den Anfang: eine Tabelle, ein privates Browserfenster und dreißig Minuten im Monat. Für ein einzelnes Maklerbüro mit einem Standort ist das ehrlich gesagt genug.
Sinnvoll ab mehreren Standorten: Werkzeuge, die Prompts automatisiert und wiederholt abfragen. Der Nutzen liegt in der Frequenz und der Protokollierung, nicht in einer besonderen Messmethode – im Kern machen sie dasselbe wie du von Hand.
Skeptisch bei: allem, was einen „KI-Sichtbarkeits-Score" als absolute Zahl ausweist, ohne die Methodik offenzulegen. Es gibt keinen etablierten Standard für so einen Wert. Frag nach, wie viele Durchläufe, welche Systeme, welche Prompts. Wenn darauf keine klare Antwort kommt, ist der Score eine Zahl ohne Grundlage.
Aus der Praxis
Klose & Partner war für Google praktisch unsichtbar. Nach der technischen Optimierung zeigte die Search Console binnen drei Wochen 539 Impressionen und 100 Besucher, bei 13,9 Prozent Klickrate.
Für das Thema Messung ist daran eine Sache lehrreich: Ohne die Search Console hätte niemand gewusst, dass sich innerhalb von drei Wochen überhaupt etwas bewegt. Der Eindruck im Büro war unverändert – es kamen ja noch keine nennenswerten Anfragen. Erst die Daten zeigten die Richtung.
Genau das ist der Grund, warum es sich lohnt, bei KI-Sichtbarkeit früh mit dem Messen anzufangen, auch wenn die Methode noch grob ist. Ohne Ausgangswert kannst du später keine Veränderung feststellen. Einzelfall, keine zugesicherte Eigenschaft.
Checkliste: dein monatlicher Messlauf
- Zehn feste Fragen in einer Tabelle, unverändert über die Monate.
- Vier Systeme abfragen: ChatGPT, Google AI Overviews, Perplexity, Gemini.
- Drei Durchläufe je Frage, an verschiedenen Tagen.
- Privates Fenster ohne Verlauf und ohne angemeldetes Konto.
- Vier Werte notieren: genannt, Position, verlinkt, Aussage korrekt.
- Serverlogs prüfen: Welche KI-Crawler kommen, wie oft, mit welchem Statuscode?
- Search Console gegenlesen: Impressionen stabil, Klicks rückläufig, Position gleich?
- Fehler sofort korrigieren. Falsche Angaben über dich sind der einzige Punkt, der keinen Aufschub verträgt.
Dreißig Minuten im Monat. Das ist der ganze Aufwand.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich messen?
Monatlich reicht für ein Maklerbüro. Häufiger bringt wenig, weil sich die zugrunde liegenden Quellen nicht schneller ändern. Wichtiger als die Frequenz ist, dass du immer dieselben Fragen stellst – sonst misst du jedes Mal etwas anderes.
Kann ich meine Nennungen aktiv erhöhen?
Nicht direkt, aber über die Voraussetzungen: Auffindbarkeit in der klassischen Suche, Crawler-Zugriff, eindeutige Entität mit konsistenten Daten, zitierfähig aufbereitete Inhalte und Präsenz außerhalb der eigenen Website. Es gibt keinen Schalter, nur diese Grundlagen.
Was ist ein guter Wert?
Dafür gibt es keinen Branchenmaßstab, und wer einen nennt, hat ihn erfunden. Der aussagekräftige Vergleich ist dein eigener Vorwert: Wurdest du bei zehn Fragen vorher zweimal genannt und jetzt fünfmal, ist das ein Fortschritt. Der zweite sinnvolle Vergleich sind deine lokalen Wettbewerber – dieselben Fragen, gezählt, wer wie oft auftaucht.
Lohnt sich ein kostenpflichtiges Monitoring-Tool?
Für ein Büro mit einem Standort selten. Der Aufwand von Hand ist überschaubar, und die Werkzeuge machen im Kern nichts anderes. Interessant wird es ab mehreren Standorten oder wenn mehrere Personen dieselben Daten brauchen.
Was mache ich mit einer falschen Angabe in einer KI-Antwort?
An der Antwort selbst kannst du nichts ändern. Korrigierbar sind die Quellen: Google-Unternehmensprofil, Portalprofile, Branchenverzeichnisse, deine Website. Räum die falsche Angabe dort ab und sorge dafür, dass die richtige an mehreren Stellen identisch steht. Mit den nächsten Abrufen zieht die Antwort nach.
Nächster Schritt
Leg heute die Tabelle an und mach den ersten Durchlauf. Auch wenn das Ergebnis ernüchternd ist – ohne Ausgangswert kannst du in drei Monaten nicht sagen, ob sich etwas bewegt hat.
Wenn du den Ausgangswert lieber sauber erhoben hättest, über alle vier Systeme, mit Prüfung deiner Crawler-Freigaben und strukturierten Daten: GEO für Immobilienmakler. Kostenlos und unverbindlich.
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