Google Search Console für Makler: die Zahlen richtig lesen
Google Search Console für Immobilienmakler: welche vier Berichte zählen, was die Zahlen wirklich bedeuten und die Muster, an denen du Probleme früh erkennst.
Niklas Schwerin
Co-Founder & KI-Stratege
Kurz gesagt:
- Die Search Console ist kostenlos, kommt direkt von Google und zeigt dir Daten, die kein bezahltes Werkzeug hat: die echten Suchanfragen, über die Leute bei dir landen.
- Vier Berichte reichen: Leistung, Indexierung, Sitemaps, Core Web Vitals. Den Rest kannst du ignorieren.
- Impressionen sind das Frühwarnsystem, Klicks das Ergebnis, die Position der Kontext. Wer nur auf Klicks schaut, merkt Probleme zu spät.
- Die drei Muster, an denen du erkennst, was los ist: steigende Impressionen bei flachen Klicks, plötzlicher Einbruch, und Begriffe auf Position 11 bis 20.
- Position 11 bis 20 ist die lohnendste Stelle überhaupt: knapp an Seite 1 vorbei, mit vergleichsweise wenig Arbeit zu heben.
Es gibt ein kostenloses Werkzeug, das dir genau sagt, über welche Suchanfragen Leute auf deiner Website landen, wo du stehst und welche Seiten Google überhaupt kennt. Es kommt direkt von Google, und die meisten Maklerbüros nutzen es nicht – oder haben es einmal eingerichtet und nie wieder geöffnet.
Das ist schade, weil die Search Console Daten liefert, die kein bezahltes Werkzeug hat. Ranking-Tools schätzen. Die Search Console misst.
Dieser Artikel zeigt dir, welche vier Berichte für ein Maklerbüro zählen und – wichtiger – welche Muster darin bedeuten, dass etwas nicht stimmt.
Was ist die Google Search Console?
Die Google Search Console ist ein kostenloses Werkzeug von Google, das zeigt, wie deine Website in der Google-Suche abschneidet. Du siehst darin die tatsächlichen Suchanfragen, über die Nutzer auf deine Seiten kommen, deine durchschnittliche Position, welche Seiten indexiert sind und welche technischen Probleme Google feststellt. Anders als Ranking-Werkzeuge schätzt sie nichts, sondern zeigt Googles eigene Daten.
Die Einrichtung dauert etwa fünfzehn Minuten und erfordert einen Nachweis, dass die Domain dir gehört – meist über einen Eintrag beim Domain-Anbieter oder eine Datei auf dem Server. Wenn eine Agentur deine Seite betreut, sollte der Zugang trotzdem auf deinem Konto liegen. Das ist einer der Punkte, an denen sich beim Anbieterwechsel entscheidet, ob du deine Historie behältst.
Die vier Berichte, die zählen
Leistung. Der wichtigste. Hier stehen vier Kennzahlen: Klicks, Impressionen, Klickrate und durchschnittliche Position. Dazu die Suchanfragen, über die du gefunden wirst, und die Seiten, auf denen Leute landen.
Seiten (Indexierung). Wie viele deiner Seiten sind im Index, wie viele nicht, und warum nicht. Der Bericht, den ich zuerst öffne, wenn ein Kunde sagt „wir werden nicht gefunden".
Sitemaps. Ob deine Sitemap eingereicht ist und fehlerfrei gelesen wurde.
Core Web Vitals. Ladeerlebnis, Interaktivität und visuelle Stabilität, gemessen an echten Nutzern. Wichtig, aber nachrangig gegenüber den ersten beiden.
Alles andere – Sicherheitsprobleme, manuelle Maßnahmen, Links – schaust du dir an, wenn es einen Anlass gibt. Für die laufende Arbeit reichen diese vier.
Was die vier Kennzahlen wirklich bedeuten
Hier werden die meisten Berichte falsch gelesen, deshalb der Reihe nach.
| Kennzahl | Was sie misst | Was sie dir sagt |
|---|---|---|
| Impressionen | Wie oft eine Seite von dir in den Suchergebnissen erschien | Dein Frühwarnsystem. Bewegt sich zuerst |
| Klicks | Wie oft jemand darauf geklickt hat | Das Ergebnis. Bewegt sich später |
| Klickrate | Klicks geteilt durch Impressionen | Wie überzeugend Titel und Beschreibung sind |
| Durchschnittliche Position | Wo du im Schnitt standest | Der Kontext. Allein wenig aussagekräftig |
Die Reihenfolge ist der Schlüssel. Impressionen steigen, bevor Klicks steigen – weil du erst überhaupt erscheinen musst, bevor jemand klicken kann. Wer nur auf Klicks schaut, sieht Fortschritt Wochen später als nötig und bricht Projekte ab, die gerade anfangen zu wirken.
Zur durchschnittlichen Position noch ein Hinweis, weil sie regelmäßig überinterpretiert wird: Sie ist ein Mittelwert über alle Suchanfragen und alle Nutzer. Eine Verbesserung von Position 24 auf 19 kann bedeuten, dass ein Begriff stark gestiegen ist – oder dass drei mittelmäßige leicht besser wurden. Schau immer auf Ebene der einzelnen Suchanfrage, nicht auf den Gesamtwert.
Kurzfazit: Impressionen sind das Frühsignal, Klicks das Ergebnis. Wer die Reihenfolge kennt, erkennt Fortschritt zwei Monate früher.
Die drei Muster, die du erkennen können musst
Muster 1: Impressionen steigen, Klicks bleiben flach
Zwei mögliche Ursachen, und sie erfordern gegensätzliche Reaktionen.
Die harmlose: Du erscheinst für neue Begriffe, aber noch auf schlechten Positionen. Auf Position 30 klickt niemand. Das ist normaler Projektfortschritt.
Die unangenehme: Du stehst gut, aber die Antwort wird oberhalb der Trefferliste gegeben. Warum das passiert, steht unter Google AI Overviews. Das Pew Research Center hat für März 2025 ausgewertet, dass bei Suchen mit KI-Zusammenfassung in 8 Prozent der Besuche auf ein klassisches Ergebnis geklickt wurde, gegenüber 15 Prozent ohne. US-Daten und eine Momentaufnahme, aber sie erklären das Muster.
Unterscheiden kannst du beides über die Position: Bleibt sie schlecht, ist es Fall eins. Ist sie gut und die Klicks fallen trotzdem, ist es Fall zwei.
Muster 2: Alles bricht plötzlich ein
Wenn Impressionen und Klicks innerhalb weniger Tage abstürzen, ist es fast nie ein Algorithmus-Update. Es ist fast immer etwas, das jemand gemacht hat.
Die vollständige Prüfliste steht im SEO-Audit. Prüfe in dieser Reihenfolge: Gab es einen Relaunch oder größere Änderungen? Steht im Indexierungsbericht plötzlich „Durch noindex-Tag ausgeschlossen"? Wurde die robots.txt geändert? Ist die Seite erreichbar, oder liefert sie Fehler?
Ich habe mehr Sichtbarkeitsverluste durch ein vergessenes noindex nach einem Relaunch gesehen als durch alle Google-Updates zusammen.
Muster 3: Begriffe auf Position 11 bis 20
Das ist die lohnendste Stelle in der ganzen Search Console, und fast niemand schaut hin.
Position 11 bis 20 heißt: Seite 2. Du bist knapp dran, Google hält dich für relevant, es fehlt wenig. Diese Begriffe auf Seite 1 zu bringen ist deutlich weniger Arbeit, als von Position 45 nach oben zu kommen.
So findest du sie: Bericht „Leistung" öffnen, Zeitraum auf drei Monate, Reiter „Suchanfragen", nach Impressionen sortieren. Dann durchgehen und alles markieren, was bei einer Position zwischen 11 und 20 liegt. Für jeden dieser Begriffe fragst du: Gibt es eine Seite, die genau das beantwortet? Meist lautet die Antwort nein – der Begriff wird von einer Seite mitbedient, die eigentlich um etwas anderes geht.
Kurzfazit: Wer nur einen Bericht regelmäßig anschaut, nimmt Suchanfragen auf Position 11 bis 20. Dort liegt der schnellste Zuwachs.
Aus der Praxis
Klose & Partner war für Google praktisch unsichtbar, während die Wettbewerber in der Region längst gefunden wurden. Nach der technischen Optimierung und den ersten Ratgeber-Inhalten zeigte die Search Console binnen drei Wochen 539 Impressionen und 100 Besucher, bei einer Klickrate von 13,9 Prozent – fast dreimal über dem Branchenschnitt von 3 bis 5 Prozent.
Für dieses Thema ist daran zweierlei lehrreich. Erstens: Ohne die Search Console hätte niemand gewusst, dass sich überhaupt etwas bewegt. Im Büro war der Eindruck unverändert, es kamen ja kaum Anfragen. Zweitens: Die hohe Klickrate war das eigentliche Signal. Sie zeigte, dass die Inhalte auf die richtigen Fragen zielten – eine Information, die man aus reinen Besucherzahlen nicht bekommt.
Bei JD Homes sah das Muster ähnlich aus: rund 40 Prozent mehr Klicks und 250 Prozent mehr Impressionen im ersten Monat. Die Impressionen stiegen deutlich stärker als die Klicks – genau die Reihenfolge, die oben beschrieben ist. Beides sind Einzelfälle und keine zugesicherte Eigenschaft.
Checkliste: dein Monatsblick in 20 Minuten
- Leistung, letzte drei Monate: Impressionen und Klicks als Verlauf. Richtung wichtiger als Absolutwerte.
- Suchanfragen nach Impressionen sortieren. Kommen neue Begriffe dazu?
- Position 11 bis 20 markieren. Deine Arbeitsliste für den Monat.
- Seiten-Reiter prüfen: Welche Seiten bringen Klicks, welche nur Impressionen?
- Indexierungsbericht öffnen. Sind neue Seiten aufgenommen? Steht irgendwo ein unerwarteter Ausschlussgrund?
- Klickrate der Top-Seiten ansehen. Unter 2 Prozent bei guter Position heißt: Titel und Beschreibung überarbeiten.
- Core Web Vitals überfliegen. Nur handeln, wenn viele URLs im roten Bereich stehen.
- Auffälligkeiten notieren. Ein Verlauf über sechs Monate sagt mehr als jeder Einzelmonat.
Zwanzig Minuten im Monat. Das ist der ganze Aufwand für eine Datengrundlage, die belastbarer ist als die meisten Agenturberichte.
Häufige Fragen
Search Console oder Google Analytics – was brauche ich?
Beides, für verschiedene Fragen. Die Search Console zeigt, was vor dem Klick passiert: Suchanfragen, Positionen, Sichtbarkeit. Analytics zeigt, was danach passiert: Verweildauer, Wege durch die Seite, Anfragen. Für SEO ist die Search Console die wichtigere von beiden.
Warum sind die Zahlen anders als in meinem Ranking-Tool?
Weil Ranking-Werkzeuge Positionen an einem festen Ort und zu einem festen Zeitpunkt abfragen. Die Search Console mittelt über alle tatsächlichen Suchen – verschiedene Orte, Geräte, Zeitpunkte, personalisierte Ergebnisse. Bei lokalen Suchen sind die Abweichungen naturgemäß groß. Im Zweifel gilt die Search Console.
Wie lange dauert es, bis Daten erscheinen?
Die Daten laufen mit ein bis zwei Tagen Verzögerung ein. Nach der Ersteinrichtung siehst du keine Historie – die Sammlung beginnt mit dem Tag der Einrichtung. Das ist ein guter Grund, sie einzurichten, bevor man sie braucht.
Meine Agentur hat den Zugang. Reicht das?
Nein. Der Zugang sollte auf deinem Konto liegen, die Agentur bekommt Berechtigung. Andernfalls verlierst du bei einem Wechsel die gesamte Historie – und die ist nicht wiederherstellbar. Das lässt sich nachträglich ändern, dauert fünf Minuten.
Was mache ich, wenn Seiten nicht indexiert werden?
Zuerst den Grund lesen, der im Bericht steht. „Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert" heißt meist, dass Google die Seite für zu dünn oder zu ähnlich zu bestehenden hält. „Durch noindex-Tag ausgeschlossen" ist eine Einstellung auf deiner Seite. „Alternative Seite mit richtigem kanonischen Tag" ist meist unproblematisch. Der Grund bestimmt die Maßnahme.
Nächster Schritt
Wenn du die Search Console noch nicht eingerichtet hast, ist das die lohnendste Viertelstunde, die du diese Woche investieren kannst. Ohne sie arbeitest du im Blindflug.
Wenn sie eingerichtet ist: Öffne den Leistungsbericht, stell den Zeitraum auf drei Monate und such die Suchanfragen auf Position 11 bis 20. Das ist deine Arbeitsliste.
Falls du die Auswertung lieber gemeinsam machst, inklusive Einordnung, welche der Begriffe sich wirklich lohnen: SEO für Immobilienmakler. Kostenlose Erstanalyse, unverbindlich.
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